Umbau V60 auf Glockenankermotor

Meine älteste Lok im Bestand ist eine V260 (8864) in Altrot. Ich kaufte sie mir 1975 als Schüler für 62.50 DM von meinem raren Taschengeld.

Aufgrund der etwas “schwierigen” Fahreigenschaften kam sie später nur noch selten zum Einsatz.

Zwischenzeitlich wollte ich sie als Rangierlok auf meinem Containerterminal einsetzen, was aber erneut an den Fahreigenschaften scheiterte. Beim Anfahren gab es meist Probleme, weil sie erst nach einem Anstupser oder nach dem Aufdrehen des Trafos auf volle Pulle losfuhr. Ihre Kupplungen hatte ich für den Container-Rangierdienst auf die Jörger Magnetentkuppler umgebaut. An Stelle der V60 kam dann eine zuverlässige V100 zum Einsatz.

Nachdem Märklin® ab 2016 langsam eine neue Motorengeneration einführte, entwickelten findige Bastler Möglichkeiten diese in die alten Loks einzubauen. So auch bei der V60.
Damit der deutlich kleinere Motor den Platz an Stelle des alten 3-Polers einnehmen kann ist eine neue Halterung nötig.

Halterungen aus Kunststoff oder Messing gedruckt standen zur Verfügung.
Ich entschied mich für die Variante aus Messing, da dadurch das Gewicht der Lok noch etwas erhöht wurde.

Im Corona-Lockdown Februar 2021 machte ich mich an die Umrüstung. Die Teile lagen nun schon fast ein Jahr in der Schublade bereit. Ich rechnete mit reichlich Schwierigkeiten und hohem Zeitaufwand.

Um so erstaunter war ich, als nach einer Stunde die Lok mit neuem Motor ihre erste Testrunde fuhr.
Die Schritte meines Umbaus will ich hier zeigen:

Das alte Schätzchen vor der OP Der Tauschmotor mit der Ersatzteilnummer E296142 , daneben der gedruckte Motorhalter.
Um den Motor schmatzend einführen zu können. habe ich die Innenwandung leicht mit einer runden Schlüsselfeile geglättet Der Protagonist auseinandergebaut.
Den Stator abgeschraubt Alle Teile vom Chassis entfernt
Der Rest sieht dann so aus … Die Motorachse habe ich mit einer anständigen Zange direkt unter dem Rotor durchtrennt
Ohne den Rotor sieht es so aus. Die Plastikhülse habe ich schon abgezogen Die restliche Welle mit der Schnecke nach unten raugezogen
Die beiden Schnecken im Vergleich. Den Motor habe ich so tief in der Halterung, dass das Plastikteil übersteht. Nach dem Entfernen der Motorwelle finden wir noch eine Messingbuchse die aus ihrem Zuhause raus muss
Ich verwende dafür einen preiswerten Abzieher aus dem Internet Damit treibe ich die Buchse aus ihrer Passung heraus.
Mit dem Werkzeug Sekundensache, sicher bekommt man sie auch anders heraus. Das Loch reibe ich mit einer Feile auf. Das Material ist so weich, dass sich ein Ausbohren vom Aufwand her nicht lohnt.
Der neue Motor wird mit der Halterung auf dem Chassis verschraubt und Messingstreifen für die Stromabnahme angepasst. Nach einer Prüfung der Laufrichtung des Motors werden die Kabel verlötet. Die Messingstreifen habe ich auf der Motorseite mit Tesa isoliert, damit es keinen Kurzschluss gibt.
Nach erfolgreichem Probelauf kommen auch die Kupplungen wieder an das Modell. Damit die Federn nicht wegfliegen können sind sie mit einem Tropfen Sekundenkleber an der Kupplung fixiert.

Kleine Testfahrt …

Fazit: die Laufeigenschaften haben sich deutlich verbessert, sie fährt ohne “Schubser” los, ist bei gleicher Trafostellung nicht mehr so schnell und ist im Lauf ruhiger geworden.

 

Tipp zur Radsatzmontage:

 

Der schwierigste Teil ist der Einbau der Radsätze nebst Getriebe.

Aber wie bei allem ist es gar nicht so schwer, wenn man den Bogen raus hat:

  • Getriebeblock so halten, dass die offene Seite nach oben zeigt und die Einzelteile eingelegt werden können.
  • Die durch Kuppelstangen verbundenen Radsätze in den Block einlegen.
    Dabei sind die Räder so wie auf der Zeichnung auszurichten. Die Nieten die die Kuppelstangen halten, sind auf einer Lokseite genau unten. Mit einem Finger blockiert man die Zahnräder und kann die Kuppelstange leicht nach links und rechts schieben.
  • Mittleren Radsatz einsetzen
  • Zwischenzahnräder einsetzen
  • Testen, dass die Kuppelstange auch nach diesem Schritt noch Spiel nach beiden Seiten hat!
  • Deckel drauf und es sollte gut funktionieren!

Zukunft:
Kai hat auf seiner Seite, Noch eine andere Schwungmasse beschrieben, wie er Kondensatoren als Puffer einsetzt, das habe ich bei dieser Lok auch noch gemacht.

Es sollte sich jeder vorher überlegen ob er sich den Umbau wirklich zutraut, denn durch das Zerlegen des Motors zerstört man seine Lok.


 

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